Spartathlon

Auf den Spuren Pheidippidis

 

 

Es muss ein mutiger, schneller und draufgängerischer Typ gewesen sein, dieser Laufkurier Pheidippidis, den die Athener 490 v. Christi von Athen los ins ferne Sparta schickten, um Hilfe im Krieg gegen die Perser zu holen. Nur 36 Stunden benötigte der flotte Pheidippidis bis nach Sparta, doch die Spartaner ließen sich mit ihrer Hilfeleistung Zeit. Die Schlacht bei Marathon erfolgte ohne spartanische Hilfe, die Athener blieben dennoch siegreich und erneut musste Pheidippidis losrennen, um den für die Griechen erfreulichen Ausgang der Schlacht in Athen zu verkünden. Pheidippidis sprachs „Wir haben gesiegt“, viel tot zusammen und hat mit seinen sportlichen Glanzauftritten zwei Läufe begründet: den Marathonlauf über heute 42 Kilometer und den Spartalon, einen Ultramarathon über 246 Kilometer und 3000 Höhenmeter, der seit 1983 offiziell als Lauf veranstaltet wird und wo die Läufer die Strecke zwischen Athen und Sparta in einem Zeitlimit von 36 Stunden zurück zu legen haben; also nicht länger brauchen dürfen, als damals der wackere Pheidippidis.

Vom 28.-29. September 2012 war es wieder so weit. Das Abenteuer Spartathlon stand am Programm und rund 340 Teilnehmer aus aller Welt machten sich auf die Spuren des historischen Laufkuriers. Unter ihnen auch eine beachtliche Läuferdelegation aus Österreich.

 

Harte Vorbereitung auf einen harten Lauf

 

Wer den Spartathlon rennen will, der muss sich im Vorfeld qualifizieren. Der Veranstalter fordert von den Teilnehmern bestimmte Leistungsnachweise im Laufsport ein, kein Wunder, gehört der Spartathlon mit zu den schwierigsten Ultraläufen weltweit. Ist die Qualifikation geschafft, heisst das noch lange nicht, dass man einen Startplatz hat. Mir ist es so ergangen. Auf den Startplatz musste ich trotz Qualifikation warten, doch einige Wochen vor dem Start war es dann so weit: ich bekam vom Veranstalter grünes Licht und nutze die verbleibenden Tage noch intensiv, um mich auf den Lauf vorzubereiten. Gemeinsam flogen wir österreichischen Teilnehmer dann nach Athen: Gerhard Fabsits, Joe Wagner, Markus Thallmann, Otto Peischl – allesamt erfahrene Spartathlonrenner – der Haslacher Laufpfarrer Maximilian Koble und ich, der die griechische Laufherausforderung zum ersten Mal annahm. Die zwei Tage vor dem Start waren gefüllt mit organisatorischen Vorbereitungen. Wir durften unsere Rucksäcke packen, in dem sich alle Sachen befanden, die wir während des Laufes benötigen. Es dauert seine Zeit, bis alles so angerichtet ist, dass es mit dem Lauf losgehen kann. Am 28. September um sieben Uhr früh, am Fuße der Akropolis, war es dann endlich so weit. Der Startschuss fiel, ein topografisch höchst anspruchsvoller Lauf begann, mit unglaublichen Temperaturen, schon zu Beginn des Rennens.

 

Die Hitze zollt ihren Tribut

 

Ob es zu Pheidippidis Zeiten wohl auch so heiss war? Wohl nicht, denn der Spartathlon 2012 wird als der heisseste in die Geschichte eingehen. Kilometer um Kilometer kletterte die Temperatur nach oben und näherte sich im Laufe des Tages gnadenlos der 40 Grad Marke – im Schatten! Trotz der Wärme schon in der Früh kam ich zunächst gut voran. Durch Athen wählte ich ein angemessenes Tempo. Es lief gut in den Beinen, nicht jedoch im Kopf. Schon vor dem Start merkte ich, dass meine Psyche an diesem Tag nicht recht bei der Sache war. Ein Lauf wie dieser ist jedoch von Anbeginn an eine Kopfsache und die persönliche Einstellung zum Lauf wird von Kilometer zu Kilometer bedeutungsvoller. Bereits nach knappen vier Stunden am Asphalt, entlang der wunderbaren Küstenstrasse, wollte ich den Wettkampf beenden, obwohl ich sehr gut im Rennen lag und die Checkpoints weit vor den vorgegebenen Zeitlimits passierte. Ich wusste, dass einige meiner Freunde hinter mir waren und entschied mich, auf sie zu warten. Gemeinsam liefen wir weiter, gemeinsam litten wir enorm unter der Hitze und gemeinsam war uns an diesem Tag auch, dass wir absolute Motivationsprobleme hatten. Nach sieben Stunden und bei einer Aussentemperatur von 37 Grad brachen wir das Rennen ab. Der Kopf spielte nicht mehr mit und weil dem so war, hielt sich die Enttäuschung über den Abbruch sogar in Grenzen. Wir sattelten auf einen Pick up um und ließen uns zum nächsten Checkpoint fahren, den nur noch 180 Läufer passierten. Der Spartathlon 2012 bzw. die Temperatur zollte ihren Tribut. Unser Spartathlon endete in einem wunderbaren Hotel, direkt am Meer. Dort erholten wir uns, bis zum Zieleinlauf jener 72 Athleten, die den Spartathlon 2012 beenden konnten. Natürlich waren wir vor Ort in Sparta und feuerten die tapferen Läufer an, die trotz der widrigen Umstände ins Ziel kamen, unter ihnen Markus Thallmann, der als gesamt Dritter finishte. Dass die Griechen stolz auf ihren Spartathlon sind, zeigte sich deutlich bei den Siegerehrungen. Alle wurden gewürdigt, egal ob im Ziel oder vorzeitig ausgeschieden, alle feierten mit, alle genossen die Stimmung rund um die Siegerehrung, die wahrlich zelebriert wurde. Auch Österreichs Botschafterin in Griechenland nahm an der Schlussveranstaltung teil und sie lud uns ein, im nächsten Jahr wieder zu kommen. Ein verlockendes Angebot und ich weiss nicht, ob ich dem widerstehen kann.

 

Spartathlon – die Zweite?

 

 

Natürlich ist ein abgebrochener Lauf immer etwas, was ein wenig im Magen liegt. In dem Sinne, dass ein Werk unvollendet bleibt. Natürlich bin ich stolz, die Qualifikation zum Spartathlon 2012 geschafft zu haben und am Start gewesen zu sein. Natürlich wäre es aber auch schön, durch den fahnen- und statuengeschmückten, von Menschen gesäumten Zielkanal in Sparta zu rennen. Ich werde nachdenken und in mich gehen, ob ich das Abenteuer Spartathlon 2013 angehen werde. Bis März 2013 habe ich Zeit mit meiner Entscheidung und dann werde ich wissen, ob ich es nochmals mit Pheidippidis aufnehme und mich auf den Weg von Athen nach Sparta mache – auch wenn ich keine wie immer tragende Botschaft kundzutun habe so wie damals der erste Spartathlon-Finisher unter uns.