100 Meilen von Berlin

 

Trotz Magenproblemen zur persönlichen Bestzeit!

 

 

 

Nach einem Jahr Pause startete ich wieder beim geschichtsträchtigen Mauerweglauf in Berlin über 100 Meilen ( 161,8 Kilometer ).

 

Mauerweglauf deshalb, weil entlang der ehemaligen Berliner Mauer gelaufen wurde. Die war an die 160 Kilometer lang und wir spulten unsere Kilometer auf dem ehemaligen Patrouillenweg der Grenzsoldaten ab. Heute wird dieser Weg als Radweg genützt.

 

Voll mit Selbstvertrauen aus den letzten Bewerben machten ich mich auf den Weg nach Berlin.

 

Doch es kam anders als gedacht. Ich hatte im Vorfeld schon Sodbrennen und dann kamen auch noch Zahnschmerzen dazu die aber bis zum Start wieder verschwunden waren.

 

Ich startete mit meinen zwei Freunden Andre Lange und Michael Guggenbichler sowie weitere 380 Mitstreiter.

 

Das Wetter meinte es auch nicht gut mit uns denn pünktlich zum Start um 6 Uhr morgens begann es leicht zu regnen. Eigentlich ideale Bedingungen für mich. Nur für meine Begleitung ist es nicht so ideal wenn man so an die 20 Stunden bei Nässe auf dem Rad verbringen muss

 

Der Mauerweglauf erinnert alljährlich an den Mauerbau und die Opfer der deutschen Teilung. Der diesjährige Lauf war Dorit Schmiel gewidmet, die 1962 bei einem Fluchtversuch ums Leben kam. Ihr zu Ehren wurden an der Stelle, an der die tödlichen Schüsse fielen, von den Läuferinnen und Läufern rote Rosen niedergelegt. Dies geschah nach ca. 10 Kilometer.

 

Ich lief mit meinen zwei Freunden die ersten 60 -70 Kilometer gemeinsam und der Regen hatte auch aufgehört. Irgendwie war es wie bei einem Radrennen. Einer übernahm immer die Führungsarbeit. Immer wieder kamen wir an Gedenktafeln vorbei, die an die bei einem Fluchtversuch ums Leben gekommen Menschen erinnern soll. Wir lagen ganz gut in der Zeit und wieder nach ein paar Kilometern verlor ich die Beiden. Ich ging von nun an mein gewohntes Tempo. Das landschaftlich wohl reizvollste Stück des Mauerwegs führte  um den Jungfern-, den Lehnitz- und den Krampnitzsee herum nach Potsdam und Babelsberg. Schloss Cecilienhof wurde passiert und nahe an der Glienicker Brücke waren auch 100 km geschafft.  Bei Kilometer 103 war eine große Labstation wo man im Vorfeld Kleidung, Schuhe usw. hinterlegen konnte. Ich tat das und wechselte meine nassen Socken, Schuhe und Kleidung. Frisch gestärkt ging es nach ein paar Minuten wieder weiter.

 

Nach ca. 120 zurückgelegten Kilometer begann mein Magen zu rebellieren.

 

Bei einer größeren Anstrengung die sich ja beim Laufen nicht vermeiden lässt stieg Übelkeit empor. Also musste ich immer wieder Gehpausen einlegen. Ich versuchte immer wieder kleine Mengen an Nahrung aufzunehmen und  gleichzeitig nahm ich Flüssigkeit immer nur schluckweise zu mir um den Magen zu besänftigen.

 

So kämpfte ich mich Kilometer um Kilometer voran mit der Hoffnung auf Besserung. Aufgeben war nie ein Thema.

 

Ich schaffte es trotz allem das ich bis zum Einbruch der Dunkelheit nur noch 30 Kilometer zum zurück zulegen hatte.

 

Die Nacht brach herein.

 

Die letzten 20 Kilometer gingen durch das Zentrum von Berlin. Am Anfang durch stockfinstere Parks wo sich ein paar dunkle Gestalten aufhielten  dann durch das Berliner Nachtleben in Kreuzberg. Es schloss ein einheimischer Läufer zu mir auf der mich durch das Berliner Nachtleben lotste.  

 

Meine Radbegleitung hatte Mühe mir zu folgen. Das Ziel kam immer näher, abgelenkt von der East Side Gallery einem 1316 Meter langem Mauerrest, bemalen von 118 Künstlern aus 21 Ländern, lief und ging ich immer weiter. Nun waren es nur noch an die 13 Kilometer, vorbei am Reichstag, dem Brandenburger Tor sowie an  Checkpoint Charlie bis ins Ziel. Ich hatte trotz allen Problemen die 20 Stunden Marke im Auge.

 

Wie sagt man so schön, mühsam nährt sich das Eichhörnchen und so verschlang ich Meter um Meter, Kilometer um Kilometer bis das Ziel vor mir lag.

 

Ich schaffte es unter 20 Stunden. Nach 19 Stunden und 48 Minuten war der Mauerweglauf vollbracht. Trotz all den Problemen um 1 Stunde schneller als 2015.

 

Ein versöhnlicher Abschluß!

 

Großer Dank an meine  Freundin Babsi, die mir über 160 Kilometer, als Betreuung mit dem Fahrrad zur Seite stand. Sie war mir auch in den schlechten Phasen  eine große Hilfe.